EIN VIERTELJAHRHUNDERT EINSATZ
MIT GROßER LEIDENSCHAFT
Seit 25 Jahren begleitet der Förderverein der Nürnberger Symphoniker das Orchester mit finanzieller Unterstützung, organisatorischem Engagement und einer großen Portion Leidenschaft. Der Vorstand des Vereins besteht aus Dr. Jörg Paetzke, Ruth Böhrer-Betz und Helmut Melzer, ergänzt wird das Trio um Rita Maczollek und Schatzmeister Stefan Hock. Im Interview sprechen Helmut Melzer und Ruth Böhrer-Betz darüber, was sie in ihrer Arbeit antreibt.
Frau Böhrer-Betz, Sie sind seit der Gründung des Fördervereins dabei. Was hat Sie damals zur Klassik und zu den Nürnberger Symphonikern gebracht?
Ruth Böhrer-Betz: Das fing eigentlich schon in meiner Schulzeit an. Ich war sehr jung, vielleicht 14 Jahre alt, als ich zum ersten Mal mit den Symphonikern in Berührung kam – im Rahmen eines Schulkonzerts in der Sigena-Schule. Das erste Stück, das ich da hörte, war Beethovens Fünfte. Und das hat mich sehr beeindruckt, da war ich richtiggehend „geflasht“. Zur Eröffnung der Meistersingerhalle 1963 ergab sich die Möglichkeit, ein Schüler-Abo zu erwerben. Seitdem bin ich, mit Ausnahme meiner fünf Studienjahre in Berlin, Abonnentin der Konzerte unseres Orchesters. Schon bald nach der Gründung des Fördervereins am 25. Oktober 2001 wurden mein Mann und ich auf den Förderverein aufmerksam – durch Flyer, die bei einem Konzert 2002 auf den Sitzen lagen. Wir traten sogleich dem Verein bei.

Ruth Böhrer-Betz und Helmut Melzer sprechen über ihre Arbeit im Förderverein.
Herr Melzer, wie kamen Sie zum Förderverein?
Helmut Melzer: Meine Frau und ich waren bereits Symphoniker-Abonnenten. Den entscheidenden Kontakt haben wir aber auf einem Schiff geknüpft – auf der Queen Mary 2: Wir saßen beim Essen am gleichen Tisch wie Ruth Böhrer-Betz und ihr Mann, kamen ins Gespräch und stellten fest, dass wir beide Symphoniker-Abonnenten sind, das war reiner Zufall. Sie hat mich kurzerhand angeworben. Irgendwann war klar: Wir steigen ein. Uns hat auch überzeugt, dass die Symphoniker im Gegensatz zu den Philharmonikern keine staatliche Vollförderung genießen. Sie müssen stets bangen, ob die staatlichen und städtischen Zuschüsse reichen oder gekürzt werden. Das ist für ein Orchester dieser Qualität eigentlich nicht hinnehmbar – genau da setzt der Förderverein an.
Podcastfolge: 25 Jahre Förderverein der Nürnberger Symphoniker
Was sind die konkreten Aufgaben des Fördervereins?
Ruth Böhrer-Betz: Im Kern geht es darum, das zu finanzieren, was das Budget des Orchesters im laufenden Betrieb nicht hergibt. Das sind zum einen Musikinstrumente – wir haben im Laufe der Jahre eine ganze Liste von Anschaffungen mitfinanziert oder vollständig übernommen. Dazu zählen ein kompletter Paukensatz, ein hochwertiger Kontrabass und (Schall-)Schutzvorrichtungen für die Bläser, damit ihnen in den Proben nicht das Trommelfell platzt, wenn die Schlagzeuger hinter ihnen loslegen. So ein Gerät kostet immerhin um die 2.000 Euro, und wir haben einen Teil davon gespendet. Ein besonderer Meilenstein war die Mitfinanzierung eines Steinway-Konzertflügels: Da haben wir über mehrere Jahre angespart und am Ende 50.000 Euro beigesteuert. Insgesamt haben wir seit der Gründung knapp eine halbe Million Euro in das Orchester investiert. Zum anderen unterstützen wir auch Auftritte von Gastsolisten, die das Orchester alleine nicht finanzieren könnte. Dazu kommen die besonderen Aktionen für Fördervereinsmitglieder: exklusive Konzertproben, Meet and Greets mit Dirigenten und Solisten und natürlich die Konzertreisen, die ich seit vielen Jahren organisiere.

Ein Blick in die Schulzeit von Ruth Böhrer-Betz, die damals die Nürnberger Symphoniker kennenlernte.
Welche Projekte haben Sie besonders in Erinnerung – gibt es Lieblingsprojekte?
Ruth Böhrer-Betz: Für mich persönlich war die spontane Sonderaktion rund um den Kontrabass unvergesslich. Das Orchester hatte dringend einen neuen gebraucht – ein sehr gutes, gebrauchtes Instrument stand zur Verfügung – aber der Preis war hoch. Wir hatten in dem Jahr bereits eine größere Spende getätigt, und unser Schatzmeister meldete durchaus Bedenken an. Also haben wir unsere Mitglieder um freiwillige Zusatzspenden gebeten und mit vielleicht 10.000 Euro gerechnet. Innerhalb einer Woche waren über 20.000 Euro da. Das hat uns wirklich bewegt. Manche haben 30 Euro gespendet, andere 500 oder 1.000 Euro. Aber es haben fast alle mitgemacht. Das zeigt, wie sehr unsere Mitglieder hinter dem Orchester stehen.
„Uns liegen die Nürnberger Symphoniker sehr am Herzen.“ - Helmut Melzer
Wie sehen Sie die Zukunft – für das Orchester und für den Förderverein?
Helmut Melzer: Ich wünsche mir für die Symphoniker eine repräsentative Konzerthalle an einem prominenten Ort. Die Meistersingerhalle ist mit ihren 2.000 Plätzen für Normalkonzerte zu groß. Wir brauchen einen Saal für rund 1.000 Zuhörerinnen und Zuhörer. Das alte Opernhaus wäre aus meiner Sicht ideal. Das wäre ein Ort, der der künstlerischen Qualität dieses Orchesters gerecht würde. Für den Förderverein wünsche ich mir, dass wir weiter wachsen. Kultur ist keine Selbstverständlichkeit, sie muss getragen, gefördert und geliebt werden. Das tut der Förderverein der Nürnberger Symphoniker seit 25 Jahren.
Das Interview führte Julian Hörndlein.



