ACHT JAHRZEHNTE
IM ZEICHEN DES TAKTSTOCKS
Die Nürnberger Symphoniker haben allen Grund zu feiern. In diesem Jahr wird das Orchester 80 Jahre alt. Dabei beginnt die Geschichte eigentlich schon ein Jahr früher – nämlich am 29. Juli 1945: Damals erfolgte die erste Oratorienaufführung von Joseph Haydns „Die Schöpfung“ im Nachkriegsdeutschland in den Ruinen der Sebalduskirche. Eine eindrückliche Geschichte, die bereits nach den Gräueln des Zweiten Weltkriegs zeigte, welche verbindende Kraft die Musik hat. Eine Zeitreise durch die wichtigsten Daten.

1. Juni 1946:
Gründung des Vereins „Fränkisches Landesorchester“
Der 1. Juni 1946 ist der offizielle Gründungstag des Vereins Fränkisches Landesorchester, der sich im Gasthaus „Fürther Kleeblatt“ formierte. Bereits ab 1947 fanden Konzerte und Operetten-Aufführungen in den ehemaligen Bucher Sälen der Nürnberger Nordstadt statt, ab 1949 dann auch im Opernhaus. Aus dem Fränkischen Landesorchester sollten später die Nürnberger Symphoniker werden. Die ersten Nachkriegsjahre waren auch für das Orchester ein täglicher Kampf ums Überleben. Dazu gehörten zahlreiche Gastspiele in kleineren und größeren Orten Frankens. Gespielt wurde an den unterschiedlichsten Orten – sogar ein frisch getünchter Kuhstall in Wassermungenau diente als Konzertsaal. Zu Beginn reisten alle Beteiligten mit zwei alten LKWs zu den Spielstätten. Auf den beschwerlichen Fahrten gingen durchaus einmal Instrumente kaputt oder Noten verloren. Improvisationstalent und Durchhaltevermögen waren deshalb gefragt.

1949:
Einführung der Abonnementkonzerte als „Volkskonzerte“
Ab 1949 begannen die ersten Abonnementkonzerte: Damals hießen sie noch Volkskonzerte – und fanden im Nürnberger Opernhaus statt.

1950er-Jahre:
Zusammenarbeit mit Hollywood: Musikaufnahmen mit Filmen
Anfang der 1950er-Jahre rief bereits Hollywood: Das Orchester spielte damals die ersten Soundtracks für das US-amerikanische Label MGM-Records ein. Den Auftrag dafür vermittelte ein musikbegeisterter Offizier der US-Besatzungstruppen. Zu den bekanntesten Musikaufnahmen der Nürnberger Symphoniker zählen „Quo Vadis“ (1953), „Das Dschungelbuch“ (1958) und „Ben Hur“ (1960). Es ist der Startschuss für viele Aufnahmen, die in den kommenden Jahrzehnten entstehen werden.

1963:
Umzug in die Kongresshalle & Eröffnung Meistersingerhalle
Das Jahr 1963 gehörte zu den wichtigsten Jahren in der Geschichte der Symphoniker. Das Orchester fand damals im Kopfbau der Kongresshalle am Dutzendteich eine neue Heimat. Am 30. Januar 1963 wurde der Mietvertrag für das historische Gebäude unterzeichnet, über dem Probesaal wurde ein professionelles Aufnahmestudio eingerichtet. Immer mehr Aufträge für Filmmusikaufnahmen gingen aus den USA und Deutschland ein. Mit den ersten Erträgen wurde eine dringend benötigte Harfe angeschafft. Auch wurden aus dem Fränkischen Landesorchester die Nürnberger Symphoniker. Und damit nicht genug: Mit der Eröffnung der Meistersingerhalle erhielten die Symphoniker ihre zweite Heimat.

1985:
Fertigstellung des Serenadenhofs
1985 wurde der Ausbau des Serenadenhofs abgeschlossen. Bis heute erfreuen sich die Musiksommer im Serenadenhof großer Beliebtheit. Wilder Wein an den Backsteinwänden, über den Köpfen schwebende Sonnensegel und ein Podium aus Holz sorgen für ein unvergleichliches Ambiente.

1993:
Verleihung des Grammy Awards für „Die Schöne und das Biest“
Die 1990er-Jahre läuteten ein besonderes Jahrzehnt ein. Schon allein deshalb, weil die „Hollywood-Connection“, wie sie seit den 1950er-Jahren dank der Filmmusik-Projekte bestanden hatte, einen fulminanten Höhepunkt fand. Für die Einspielung des Titelstücks der Fernsehserie „Die Schöne und das Biest“ – damals dirigiert von Richard Kaufman – erhielt man den begehrten Grammy Award der Recording Academy in Los Angeles. Eine Auszeichnung der besonderen Art, auf die man bei den Symphonikern auch heute noch zu Recht stolz ist.

2000:
Erstes Klassik Open Air
Im Jahr 2000 veranstaltete die Stadt das erste „Klassik Open Air“ anlässlich der 950-Jahr-Feier der Stadt. Inzwischen hat es sich zu Europas größtem Klassik-Open-Air-Konzert mit 80.000 und mehr Besuchern entwickelt. Heute ist das Klassik Open Air ein fester Bestandteil der Nürnberger Kulturlandschaft.
2010er-Jahre:
Internationale Auftritte
Die internationale Ausrichtung der Nürnberger Symphoniker reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Ab 2009 gewannen die weltweiten Gastspielaktivitäten jedoch noch einmal deutlich an Dynamik. Nach einer sechstägigen Japan-Tournee als erstem Höhepunkt bauten sie die Aktivitäten aus. Zugleich setzte das Orchester neue künstlerische Akzente: 2011 entstand mit Symphoniker PLUS eine erfolgreiche Plattform für genreübergreifende Projekte, 2015 folgte die Gründung der eigenen Orchesterakademie.

2020:
Herausforderungen der Corona-Pandemie
2020 zwang die Corona-Pandemie auch die Musik in die Knie. Die Symphoniker blieben standhaft: Im Sommer konnten einige kleine Konzerte im Serenadenhof gespielt werden. Trotz Pandemie beging man 2021 mit einem Streamingformat das 75-jährige Jubiläum. Nach den Lockerungen spielten sie 2023 auf dem Hauptmarkt ein Konzert mit Viva Voce anlässlich des Kirchentags.

2026:
Jubiläum 80 Jahre Nürnberger Symphoniker
Seit der Corona-Pandemie ist viel passiert. Die Nürnberger Symphoniker sind heute eine pulsierende Musikinstitution in der Stadt – und prägen das kulturelle Leben Nürnbergs wie schon in den vergangenen acht Jahrzehnten. Eines der Highlights im Jahr 2025 war das besondere Konzert anlässlich der 975-Jahr-Feier der Stadt Nürnberg auf dem Hauptmarkt. Ebenfalls 2025 spielten sie die berühmte Vereinshymne „Die Legende lebt“ anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des 1. FC Nürnberg ein. Im Jahr 2026 begehen die Nürnberger Symphoniker nun ihr eigenes Jubiläum – und feiern 80 Jahre im Zeichen des Taktstocks.


